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Prinz Friedrich von Homburg

Heinrich von Kleist

Ein Schauspiel

Ihrer Königlichen Hoheit
der Prinzessin
Amalie Marie Anne
Gemahlin des Prinzen Wilhelm von Preußen
Bruders Sr. Majestät des Königs
geborne Prinzessin von Hessen-Homburg.

Gen Himmel schauend greift, im Volksgedränge,
Der Barde fromm in seine Saiten ein.
Jetzt trösten, jetzt verletzen seine Klänge,
Und solcher Antwort kann er sich nicht freun.
Doch eine denkt er in dem Kreis der Menge,
Der die Gefühle seiner Brust sich weihn:
Sie hält den Preis in Händen, der ihm falle,
Und krönt ihn die, so krönen sie ihn alle.

Personen:

Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg

Die Kurfürstin

Prinzessin Natalie von Oranien, seine Nichte, Chef eines Dragonerregiments

Feldmarschall Dörfling

Prinz Friedrich Arthur von Homburg, General der Reuterei

Obrist Kottwitz, vom Regiment der Prinzessin von Oranien

Hennings, Oberst der Infanterie

Graf Truchß, Oberst der Infanterie

Graf Hohenzollern, von der Suite des Kurfürsten

Rittmeister von der Golz

Graf Georg von Sparren, Rittmeister

Stranz, Rittmeister

Siegfried von Mörner, Rittmeister

Graf Reuß, Rittmeister

Ein Wachtmeister

Offiziere, Korporale und Reuter. Hofkavaliere. Hofdamen. Pagen. Heiducken. Bedienten. Volk jeden Alters und Geschlechts.

Erster Akt

Szene. Fehrbellin. Ein Garten im altfranzösischen Stil. Im Hintergrunde ein Schloß, von welchem eine Rampe herabführt.--Es ist Nacht.

Erster Auftritt

Der Prinz von Homburg sitzt mit bloßem Haupt und offner Brust, halb wachend halb schlafend, unter einer Eiche und windet sich einen Kranz.--Der Kurfürst, seine Gemahlin, Prinzessin Natalie, der Graf von Hohenzollern, Rittmeister Golz und andere treten heimlich aus dem Schloß, und schauen, vom Geländer der Rampe, auf ihn nieder.--Pagen mit Fackeln.

Der Graf von Hohenzollern.
Der Prinz von Homburg, unser tapfrer Vetter,
Der an der Reuter Spitze, seit drei Tagen
Den flüchtgen Schweden munter nachgesetzt,
Und sich erst heute wieder atemlos,
Im Hauptquartier zu Fehrbellin gezeigt:
Befehl ward ihm von dir, hier länger nicht,
Als nur drei Füttrungsstunden zu verweilen,
Und gleich dem Wrangel wiederum entgegen,
Der sich am Rhyn versucht hat einzuschanzen,
Bis an die Hackelberge vorzurücken?

Der Kurfürst.
So ists!

Hohenzollern. Die Chefs nun sämtlicher Schwadronen, Zum Aufbruch aus der Stadt, dem Plan gemäß, Glock zehn zu Nacht, gemessen instruiert, Wirft er erschöpft, gleich einem Jagdhund lechzend, Sich auf das Stroh um für die Schlacht, die uns Bevor beim Strahl des Morgens steht, ein wenig Die Glieder, die erschöpften, auszuruhn.

Der Kurfürst.
So hört ich!--Nun?

Hohenzollern. Da nun die Stunde schlägt,
Und aufgesessen schon die ganze Reuterei
Den Acker vor dem Tor zerstampft,
Fehlt--wer? der Prinz von Homburg noch, ihr Führer.
Mit Fackeln wird und Lichtern und Laternen
Der Held gesucht--und aufgefunden, wo?

(Er nimmt einem Pagen die Fackel aus der Hand.)

Als ein Nachtwandler, schau, auf jener Bank, Wohin, im Schlaf, wie du nie glauben wolltest, Der Mondschein ihn gelockt, beschäftiget, Sich träumend, seiner eignen Nachwelt gleich, Den prächtgen Kranz des Ruhmes einzuwinden.

Der Kurfürst.
Was!

Hohenzollern. In der Tat! Schau hier herab: da sitzt er!

(Er leuchtet von der Rampe auf ihn nieder.)

Der Kurfürst.
Im Schlaf versenkt? Unmöglich!

Hohenzollern. Fest im Schlafe!
Ruf ihn bei Namen auf, so fällt er nieder.

(Pause.)

Die Kurfürstin.
Der junge Mann ist krank, so wahr ich lebe.

Prinzessin Natalie.
Er braucht des Arztes--!

Die Kurfürstin. Man sollt ihm helfen, dünkt mich, Nicht den Moment verbringen, sein zu spotten!

Hohenzollern (indem er die Fackel wieder weggibt). Er ist gesund, ihr mitleidsvollen Frauen, Bei Gott, ich bins nicht mehr! Der Schwede morgen Wenn wir im Feld ihn treffen, wirds empfinden! Es ist nichts weiter, glaubt mir auf mein Wort, Als eine bloße Unart seines Geistes.

Der Kurfürst.
Fürwahr! Ein Märchen glaubt ichs!--Folgt mir Freunde,
Und laßt uns näher ihn einmal betrachten.

(Sie steigen von der Rampe herab.)

Ein Hofkavalier (zu den Pagen).
Zurück! die Fackeln!

Hohenzollern. Laßt sie, laßt sie, Freunde!
Der ganze Flecken könnt in Feuer aufgehn,
Daß sein Gemüt davon nicht mehr empfände,
Als der Demant, den er am Finger trägt.

(Sie umringen ihn; die Pagen leuchten.)

Der Kurfürst (über ihn gebeugt). Was für ein Laub denn flicht er?--Laub der Weide?

Hohenzollern.
Was! Laub der Weid, o Herr!--Der Lorbeer ists,
Wie ers gesehn hat, an der Helden Bildern,
Die zu Berlin im Rüstsaal aufgehängt.

Der Kurfürst.
--Wo fand er den in meinem märkschen Sand?

Hohenzollern.
Das mögen die gerechten Götter wissen!

Der Hofkavalier.
Vielleicht im Garten hinten, wo der Gärtner
Mehr noch der fremden Pflanzen auferzieht.

Der Kurfürst.
Seltsam beim Himmel! Doch, was gilts, ich weiß,
Was dieses jungen Toren Brust bewegt?

Hohenzollern. O--was! Die Schlacht von morgen, mein Gebieter! Sterngucker sieht er, wett ich, schon im Geist, Aus Sonnen einen Siegeskranz ihm winden.

(Der Prinz besieht den Kranz.'

Der Hofkavalier.
Jetzt ist er fertig!

Hohenzollern. Schade, ewig schade,
Daß hier kein Spiegel in der Nähe ist!
Er würd ihm eitel, wie ein Mädchen nahn,
Und sich den Kranz bald so, und wieder so,
Wie eine florne Haube aufprobieren.

Der Kurfürst. Bei Gott! Ich muß doch sehn, wie weit ers treibt!

(Der Kurfürst nimmt ihm den Kranz aus der Hand; der Prinz errötet und sieht ihn an. Der Kurfürst schlingt seine Halskette um den Kranz und gibt ihn der Prinzessin; der Prinz steht lebhaft auf. Der Kurfürst weicht mit der Prinzessin, welche den Kranz erhebt, zurück; der Prinz mit ausgestreckten Armen, folgt ihr.)

Der Prinz von Homburg (flüsternd).
Natalie! Mein Mädchen! Meine Braut!

Der Kurfürst.
Geschwind! Hinweg!

Hohenzollern. Was sagt der Tor?

Der Hofkavalier. Was sprach er?

(Sie besteigen sämtlich die Rampe.)

Der Prinz von Homburg.
Friedrich! Mein Fürst! Mein Vater!

Hohenzollern. Höll und Teufel!

Der Kurfürst (rückwärts ausweichend).
Öffn' mir die Pforte nur!

Der Prinz von Homburg. O meine Mutter!

Hohenzollern.
Der Rasende! Er ist--

Die Kurfürstin. Wen nennt er so?

Der Prinz von Homburg (nach dem Kranz greifend) O! Liebste! Was entweichst du mir? Natalie!

(Er erhascht einen Handschuh von der Prinzessin Hand.)

Hohenzollern.
Himmel und Erde! Was ergriff er da?

Der Hofkavalier. Den Kranz?

Natalie.
Nein, nein!

Hohenzollern (öffnet die Tür).
Hier rasch herein, mein Fürst!
Auf daß das ganze Bild ihm wieder schwinde!

Der Kurfürst. Ins Nichts mit dir zurück, Herr Prinz von Homburg, Ins Nichts, ins Nichts! In dem Gefild der Schlacht, Sehn wir, wenns dir gefällig ist, uns wieder! Im Traum erringt man solche Dinge nicht!

(Alle ab; die Tür fliegt rasselnd vor dem Prinzen zu.)

(Pause.)

Zweiter Auftritt

Der Prinz von Homburg (bleibt einen Augenblick, mit dem Ausdruck der Verwunderung, vor der Tür stehen, steigt dann sinnend, die Hand, in welcher er den Handschuh hält, vor die Stirn gelegt, von der Rampe herab; kehrt sich sobald er unten ist, um, und sieht wieder nach der Tür hinauf).

Dritter Auftritt

Der Graf von Hohenzollern tritt von unten, durch eine Gittertür, auf. Ihm folgt ein Page.--Der Prinz von Homburg.

Der Page (leise). Herr Graf, so hört doch! Gnädigster Herr Graf!

Hohenzollern (unwillig).
Still! die Zikade!--Nun? Was gibts?

Page. Mich schickt--!

Hohenzollern.
Weck ihn mit deinem Zirpen mir nicht auf!
Wohlan! Was gibts?

Page. Der Kurfürst schickt mich her!
Dem Prinzen möchtet Ihr, wenn er erwacht,
Kein Wort, befiehlt er, von dem Scherz entdecken,
Den er sich eben jetzt mit ihm erlaubt!

Hohenzollern (leise).
Ei, So leg dich im Weizenfeld aufs Ohr,
Und schlaf dich aus! Das wußt ich schon! Hinweg!

(Der Page ab.)

Vierter Auftritt

Der Graf von Hohenzollern und der Prinz von Homburg.

Hohenzollern (indem er sich in einiger Entfernung hinter dem Prinzen stellt, der noch immer unverwandt die Rampe hinaufsieht). Arthur!

(Der Prinz fällt um.)

Da liegt er; eine Kugel trifft nicht besser!

(Er nähert sich ihm.)

Nun bin ich auf die Fabel nur begierig,
Die er ersinnen wird, mir zu erklären,
Warum er hier sich schlafen hat gelegt.

(Er beugt sich über ihn.)

Arthur! He! Bist des Teufels du? Was machst du? Wie kommst du hier zu Nacht auf diesen Platz?

Der Prinz von Homburg.
Je, Lieber!

Hohenzollern. Nun, fürwahr, das muß ich sagen! Die Reuterei ist die du kommandierst, Auf eine Stunde schon im Marsch voraus, Und du, du liegst im Garten hier, und schläfst.

Der Prinz von Homburg.
Welch eine Reuterei?

Hohenzollern. Die Mamelucken!--
So wahr ich Leben atm', er weiß nicht mehr,
Daß er der märkschen Reuter Oberst ist?!

Der Prinz von Homburg (steht auf).
Rasch! Meinen Helm! Die Rüstung!

Hohenzollern. Ja wo sind sie?

Der Prinz von Homburg. Zur Rechten, Heinz, zur Rechten; auf dem Schemel!

Hohenzollern.
Wo? Auf dem Schemel?

Der Prinz von Homburg. Ja, da legt ich, mein ich--!

Hohenzollern (sieht ihn an).
So nimm sie wieder von dem Schemel weg!

Der Prinz von Homburg.
--Was ist dies für ein Handschuh?

(Er betrachtet den Handschuh, den er in der Hand hält.)

Hohenzollern. Ja, was weiß ich?-- (Für sich.) Verwünscht! Den hat er der Prinzessin Nichte, Dort oben unbemerkt vom Arm gerissen! (Abbrechend.) Nun, rasch! Hinweg! Was säumst du? Fort!

Der Prinz von Homburg (wirft den Handschuh wieder weg). Gleich, gleich!-- He, Franz, der Schurke der mich wecken sollte!

Hohenzollern (betrachtet ihn).
Er ist ganz rasend toll!

Der Prinz von Homburg. Bei meinem Eid! Ich weiß nicht, liebster Heinrich, wo ich bin.

Hohenzollern.
In Fehrbellin, du sinnverwirrter Träumer;
In einem von des Gartens Seitengängen,
Der ausgebreitet hinterm Schlosse liegt!

Der Prinz von Homburg (für sich).
Daß mich die Nacht verschlang! Mir unbewußt
Im Mondschein bin ich wieder umgewandelt!

(Er faßt sich)

Vergib! Ich weiß nun schon. Es war, du weißt, vor Hitze,
Im Bette gestern fast nicht auszuhalten.
Ich schlich erschöpft in diesen Garten mich,
Und weil die Nacht so lieblich mich umfing,
Mit blondem Haar, von Wohlgeruch ganz triefend
Ach! wie den Bräutgam eine Perserbraut,
So legt ich hier in ihren Schoß mich nieder.
--Was ist die Glocke jetzo?

Hohenzollern. Halb auf Zwölf.

Der Prinz von Homburg.
Und die Schwadronen, sagst du, brachen auf?

Hohenzollern.
Versteht sich, ja! Glock zehn; dem Plan gemäß!
Das Regiment Prinzessin von Oranien,
Hat, wie kein Zweifel ist, an ihrer Spitze
Bereits die Höhn von Hackelwitz erreicht,
Wo sie des Heeres stillen Aufmarsch morgen,
Dem Wrangel gegenüber decken sollen.

Der Prinz von Homburg.
Es ist gleichviel! Der alte Kottwitz führt sie,
Der jede Absicht dieses Marsches kennt.
Zudem hätt ich zurück ins Hauptquartier
Um zwei Uhr morgens wieder kehren müssen,
Weil hier Parole noch soll empfangen werden:
So blieb ich besser gleich im Ort zurück.
Komm; laß uns gehn! Der Kurfürst weiß von nichts?

Hohenzollern. Ei, was! Der liegt im Bette längst und schläft.

(Sie wollen gehen; der Prinz stutzt, kehrt sich um, und nimmt den Handschuh auf.)

Der Prinz von Homburg.
Welch einen sonderbaren Traum träumt ich?!--
Mir war, als ob, von Gold und Silber strahlend
Ein Königsschloß sich plötzlich öffnete,
Und hoch von seiner Marmorramp' herab,
Der ganze Reigen zu mir niederstiege,
Der Menschen, die mein Busen liebt:
Der Kurfürst und die Fürstin und die--dritte,
--Wie heißt sie schon?

Hohenzollern. Wer?

Der Prinz von Homburg (er scheint zu suchen).
Jene--die ich meine!
Ein Stummgeborner würd sie nennen können!

Hohenzollern.
Die Platen?

Der Prinz von Homburg.
Nicht doch, Lieber!

Hohenzollern. Die Ramin?

Der Prinz von Homburg.
Nicht, nicht doch, Freund!

Hohenzollern. Die Bork? die Winterfeld?

Der Prinz von Homburg.
Nicht, nicht; ich bitte dich! Du siehst die Perle
Nicht vor dem Ring, der sie in Fassung hält.

Hohenzollern.
Zum Henker, sprich! Läßt das Gesicht sich raten?
--Welch eine Dame meinst du?

Der Prinz von Homburg. Gleichviel! Gleichviel! Der Nam ist mir, seit ich erwacht, entfallen, Und gilt zu dem Verständnis hier gleichviel.

Hohenzollern.
Gut! So sprich weiter!

Der Prinz von Homburg. Aber stör mich nicht!-- Und er, der Kurfürst, mit der Stirn des Zeus, Hielt einen Kranz von Lorbeern in der Hand: Er stellt sich dicht mir vor das Antlitz hin, Und schlägt, mir ganz die Seele zu entzünden, Den Schmuck darum, der ihm vom Nacken hängt, Und reicht ihn, auf die Locken mir zu drücken --O Lieber!

Hohenzollern. Wem?

Der Prinz von Homburg. O Lieber!

Hohenzollern. Nun, so sprich!

Der Prinz von Homburg.
--Es wird die Platen wohl gewesen sein.

Hohenzollern.
Die Platen? Was!--Die jetzt in Preußen ist?

Der Prinz von Homburg.
Die Platen. Wirklich. Oder die Ramin.

Hohenzollern. Ach, die Ramin! Was! Die, mit roten Haaren!-- Die Platen, mit den schelmschen Veilchenaugen! Die, weiß man, die gefällt dir.

Der Prinz von Homburg. Die gefällt mir.--

Hohenzollern. Nun, und die, sagst du, reichte dir den Kranz?

Der Prinz von Homburg.
Hoch auf, gleich einem Genius des Ruhms,
Hebt sie den Kranz, an dem die Kette schwankte,
Als ob sie einen Helden krönen wollte.
Ich streck, in unaussprechlicher Bewegung,
Die Hände streck ich aus, ihn zu ergreifen:
Zu Füßen will ich vor ihr niedersinken.
Doch, wie der Duft, der über Täler schwebt,
Vor eines Windes frischem Hauch zerstiebt,
Weicht mir die Schar, die Ramp' ersteigend, aus.
Die Rampe dehnt sich, da ich sie betret
Endlos, bis an das Tor des Himmels aus,
Ich greife rechts, ich greife links umher,
Der Teuren einen ängstlich zu erhaschen.
Umsonst! Des Schlosses Tor geht plötzlich auf;
Ein Blitz der aus dem Innern zuckt, verschlingt sie,
Das Tor fügt rasselnd wieder sich zusammen,
Nur einen Handschuh, heftig, im Verfolgen,
Streif ich der süßen Traumgestalt vom Arm:
Und einen Handschuh, ihr allmächtgen Götter,
Da ich erwache, halt ich in der Hand!

Hohenzollern.
Bei meinem Eid!--Und nun meinst du, der Handschuh,
Der sei der ihre?

Der Prinz von Homburg.
Wessen?

Hohenzollern. Nun, der Platen!

Der Prinz von Homburg.
Der Platen. Wirklich. Oder der Ramin.--

Hohenzollern (lacht).
Schelm, der du bist, mit deinen Visionen!
Wer weiß von welcher Schäferstunde, traun,
Mit Fleisch und Bein hier wachend zugebracht,
Dir noch der Handschuh in den Händen klebt!

Der Prinz von Homburg.
Was! Mir? Bei meiner Liebe--!

Hohenzollern. Ei so, zum Henker, Was kümmerts mich? Meinthalben seis die Platen, Seis die Ramin! Am Sonntag geht die Post nach Preußen, Da kannst du auf dem kürzsten Weg erfahren, Ob deiner Schönen dieser Handschuh fehlt.-- Fort! Es ist zwölf. Was stehn wir hier und plaudern?

Der Prinz von Homburg (träumt vor sich nieder).
--Da hast du recht. Laß uns zu Bette gehn.
Doch, was ich sagen wollte, Lieber,
Ist die Kurfürstin noch und ihre Nichte hier,
Die liebliche Prinzessin von Oranien,
Die jüngst in unser Lager eingetroffen?

Hohenzollern.
Warum?--Ich glaube gar, der Tor--?

Der Prinz von Homburg. Warum?-- Ich sollte, weißt du, dreißig Reuter stellen, Sie wieder von dem Kriegsplatz wegzuschaffen, Ramin hab ich deshalb beordern müssen.

Hohenzollern.
Ei, was! Die sind längst fort! Fort, oder reisen gleich!
Ramin, zum Aufbruch völlig fertig, stand
Die ganze Nacht durch mindstens am Portal.
Doch fort! Zwölf ists; und eh die Schlacht beginnt,
Wünsch ich mich noch ein wenig auszuruhn.

(Beide ab.)

Szene: Ebendaselbst. Saal im Schloß. Man hört in der Ferne schießen.

Fünfter Auftritt

Die Kurfürstin und die Prinzessin Natalie in Reisekleidern, geführt von einem Hofkavalier, treten auf und lassen sich zur Seite nieder. Hofdamen. Hierauf der Kurfürst, Feldmarschall Dörfling, der Prinz von Homburg, den Handschuh im Kollett, der Graf von Hohenzollern, Graf Truchß, Obrist Hennings, Rittmeister von der Golz und mehrere andere Generale, Obersten und Offiziere.

Der Kurfürst. Was ist dies für ein Schießen?--Ist das Götz?

Feldmarschall Dörfling.
Das ist der Oberst Götz, mein Fürst und Herr,
Der mit dem Vortrab gestern vorgegangen.
Er hat schon einen Offizier gesandt,
Der im voraus darüber dich beruhge.
Ein schwedscher Posten ist, von tausend Mann,
Bis auf die Hackelberge vorgerückt;
Doch haftet Götz für diese Berge dir,
Und sagt mir an, du möchtest nur verfahren,
Als hätte sie sein Vortrab schon besetzt.

Der Kurfürst (zu den Offizieren). Ihr Herrn, der Marschall kennt den Schlachtentwurf; Nehmt euren Stift, bitt ich, und schreibt ihn auf.

(Die Offiziere versammeln sich auf der andern Seite um den Feldmarschall und nehmen ihre Schreibtafeln heraus.)

Der Kurfürst (wendet sich zu dem Hofkavalier). Ramin ist mit dem Wagen vorgefahren?

Der Hofkavalier. Im Augenblick, mein Fürst.--Man spannt schon an.

Der Kurfürst (läßt sich auf einen Stuhl hinter der
Kurfürstin und Prinzessin nieder).
Ramin wird meine teur' Elisa führen,
Und dreißig rüstge Reuter folgen ihm.
Ihr geht auf Kalkhuhns, meines Kanzlers, Schloß
Bei Havelberg, jenseits des Havelstroms,
Wo sich kein Schwede mehr erblicken läßt.--

Die Kurfürstin.
Hat man die Fähre wieder hergestellt?

Der Kurfürst.
Bei Havelberg?--Die Anstalt ist getroffen.
Zudem ists Tag, bevor ihr sie erreicht.

(Pause.)

Natalie ist so still, mein süßes Mädchen?
--Was fehlt dem Kind?

Prinzessin Natalie. Mich schauert, lieber Onkel.

Der Kurfürst.
Und gleichwohl ist mein Töchterchen so sicher,
In ihrer Mutter Schoß war sies nicht mehr.

(Pause.)

Die Kurfürstin.
Wann, denkst du, werden wir uns wiedersehen?

Der Kurfürst.
Wenn Gott den Sieg mir schenkt, wie ich nicht zweifle,
Vielleicht im Laufe dieser Tage schon.

(Pagen kommen und servieren den Damen ein Frühstück. Feldmarschall Dörfling diktiert.--Der Prinz von Homburg, Stift und Tafel in der Hand, fixiert die Damen.)

Feldmarschall.
Der Plan der Schlacht, ihr Herren Obersten,
Den die Durchlaucht des Herrn ersann, bezweckt,
Der Schweden flüchtges Heer, zu gänzlicher
Zersplittrung, von dem Brückenkopf zu trennen,
Der an dem Rhynfluß ihren Rücken deckt.
Der Oberst Hennings--!

Oberst Hennings. Hier! (Er schreibt.)

Feldmarschall. Der nach des Herren Willen heut Des Heeres rechten Flügel kommandiert, Soll, durch den Grund der Hackelbüsche, still Des Feindes linken zu umgehen suchen, Sich mutig zwischen ihn und die drei Brücken werfen, Und mit dem Grafen Truchß vereint-- Graf Truchß!

Graf Truchß. Hier! (Er schreibt.)

Feldmarschall. Und mit dem Grafen Truchß vereint (Er hält inne.) Der auf den Höhn indes, dem Wrangel gegenüber, Mit den Kanonen Posten hat gefaßt--

Graf Truchß (schreibt).
Kanonen Posten hat gefaßt--

Feldmarschall. Habt Ihr?
(Er fährt fort.)
Die Schweden in den Sumpf zu jagen suchen,
Der hinter ihrem rechten Flügel liegt.

Ein Heiduck (tritt auf).
Der Wagen, gnädge Frau, ist vorgefahren.

(Die Damen stehen auf.)

Feldmarschall.
Der Prinz von Homburg--

Der Kurfürst (erhebt sich gleichfalls).
--Ist Ramin bereit?

Der Heiduck.
Er harrt zu Pferd schon unten am Portal.

(Die Herrschaften nehmen Abschied von einander.)

Graf Truchß (schreibt).
Der hinter ihrem rechten Flügel liegt.

Feldmarschall. Der Prinz von Homburg--
Wo ist der Prinz von Homburg?

Graf von Hohenzollern (heimlich). Arthur!

Der Prinz von Homburg (fährt zusammen). Hier!

Hohenzollern.
Bist du bei Sinnen?

Der Prinz von Homburg. Was befiehlt mein Marschall?

(Er errötet, stellt sich mit Stift und Pergament und schreibt.)

Feldmarschall.
Dem die Durchlaucht des Fürsten wiederum
Die Führung ruhmvoll, wie bei Rathenow,
Der ganzen märkschen Reuterei vertraut--(Er hält inne.)
Dem Obrist Kottwitz gleichwohl unbeschadet,
Der ihm mit seinem Rat zur Hand wird gehn--
(Halblaut zum Rittmeister Golz.)
Ist Kottwitz hier?

Rittmeister von der Golz. Nein, mein General, du siehst,
Mich hat er abgeschickt, an seiner Statt,
Aus deinem Mund den Kriegsbefehl zu hören.

(Der Prinz sieht wieder nach den Damen herüber.)

Feldmarschall (fährt fort).
Stellt auf der Ebne sich, beim Dorfe Hackelwitz,
Des Feindes rechtem Flügel gegenüber,
Fern außer dem Kanonenschusse auf.

Rittmeister von der Golz (schreibt).
Fern außer dem Kanonenschusse auf.

(Die Kurfürstin bindet der Prinzessin ein Tuch um den Hals. Die Prinzessin, indem sie sich die Handschuh anziehen will, sieht sich um, als ob sie etwas suchte.)

Der Kurfürst (tritt zu ihr).
Mein Töchterchen, was fehlt dir--?

Die Kurfürstin. Suchst du etwas?

Prinzessin Natalie. Ich weiß nicht, liebe Tante, meinen Handschuh--

(Sie sehen sich alle um.)

Der Kurfürst (zu den Hofdamen).
Ihr Schönen! Wollt ihr gütig euch bemühn?

Die Kurfürstin (zur Prinzessin).
Du hältst ihn, Kind.

Natalie. Den rechten; doch den linken?

Der Kurfürst.
Vielleicht daß er im Schlafgemach geblieben?

Natalie.
O liebe Bork!

Der Kurfürst (zu diesem Fräulein).
Rasch, rasch!

Natalie. Auf dem Kamin!

(Die Hofdame ab.)

Der Prinz von Homburg (für sich).
Herr meines Lebens! hab ich recht gehört?
(Er nimmt den Handschuh aus dem Kollett.)

Feldmarschall (sieht in ein Papier, das er in der Hand hält). Fern außer dem Kanonenschusse auf.--

(Er fährt fort.)

Des Prinzen Durchlaucht wird--

Der Prinz von Homburg. Den Handschuh sucht sie

(Er sieht bald den Handschuh, bald die Prinzessin an.)

Feldmarschall.
Nach unsers Herrn ausdrücklichem Befehl--

Rittmeister von der Golz (schreibt).
Nach unsers Herrn ausdrücklichem Befehl--

Feldmarschall.
Wie immer auch die Schlacht sich wenden mag,
Vom Platz nicht, der ihm angewiesen, weichen--

Der Prinz von Homburg.
--Rasch, daß ich jetzt erprüfe, ob ers ist!

(Er läßt, zugleich mit seinem Schnupftuch, den Handschuh fallen; das Schnupftuch hebt er wieder auf, den Handschuh läßt er so, daß ihn jedermann sehen kann, liegen.)

Feldmarschall (befremdet).
Was macht des Prinzen Durchlaucht?

Graf von Hohenzollern (heimlich). Arthur!

Der Prinz von Homburg. Hier!

Hohenzollern. Ich glaub,
Du bist des Teufels?!

Der Prinz von Homburg. Was befiehlt mein Marschall?

(Er nimmt wieder Stift und Tafel zur Hand. Der Feldmarschall sieht ihn einen Augenblick fragend an.--Pause.)

Rittmeister von der Golz (nachdem er geschrieben). Vom Platz nicht, der ihm angewiesen, weichen--

Feldmarschall (fährt fort). Als bis, gedrängt von Hennings und von Truchß--

Der Prinz von Homburg (zum Rittmeister Golz, heimlich, indem
er in seine Schreibtafel sieht).
Wer? lieber Golz! Was? Ich?

Rittmeister von der Golz. Ihr, ja! Wer sonst?

Der Prinz von Homburg.
Vom Platz nicht soll ich--?

Rittmeister von der Golz. Freilich!

Feldmarschall. Nun? habt Ihr?

Der Prinz von Homburg (laut). Vom Platz nicht, der mir angewiesen, weichen (Er schreibt.)

Feldmarschall. Als bis, gedrängt von Hennings und von Truchß--

(Er hält inne.)

Des Feindes linker Flügel, aufgelöst, Auf seinen rechten stürzt, und alle seine Schlachthaufen wankend nach der Trift sich drängen, In deren Sümpfen, oft durchkreuzt von Gräben, Der Kriegsplan eben ist, ihn aufzureiben.

Der Kurfürst.
Ihr Pagen, leuchtet!--Euren Arm, ihr Lieben!
(Er bricht mit der Kurfürstin und der Prinzessin auf.)

Feldmarschall.
Dann wird er die Fanfare blasen lassen.

Die Kurfürstin (da einige Offiziere sie komplimentieren). Auf Wiedersehn, ihr Herrn! Laßt uns nicht stören.

(Der Feldmarschall komplimentiert sie auch.)

Der Kurfürst (steht plötzlich still). Sieh da! Des Fräuleins Handschuh! Rasch! Dort liegt er!

Ein Hofkavalier.
Wo?

Der Kurfürst.
Zu des Prinzen, unsers Vetters, Füßen!

Der Prinz von Homburg (ritterlich).
Zu meinen--? Was! Ist das der Eurige?

(Er hebt ihn auf und bringt ihn der Prinzessin.)

Natalie.
Ich dank Euch, edler Prinz.

Der Prinz von Homburg (verwirrt). Ist das der Eure?

Natalie.
Der meinige; der, welchen ich vermißt.

(Sie empfängt ihn und zieht ihn an.)

Die Kurfürstin (zu dem Prinzen im Abgehen). Lebt wohl! Lebt wohl! Viel Glück und Heil und Segen! Macht, daß wir bald und froh uns wieder sehn!

(Der Kurfürst mit den Frauen ab. Hofdamen, Kavaliere und Pagen folgen.)

Der Prinz von Homburg (steht einen Augenblick, wie vom Blitz getroffen da; dann wendet er sich mit triumphierenden Schritten wieder in den Kreis der Offiziere zurück). Dann wird er die Fanfare blasen lassen! (Er tut, als ob er schriebe.)

Feldmarschall (sieht in sein Papier). Dann wird er die Fanfare blasen lassen.-- Doch wird des Fürsten Durchlaucht ihm, damit, Durch Mißverstand, der Schlag zu früh nicht falle--

(Er hält inne.)

Rittmeister von der Golz (schreibt). Durch Mißverstand, der Schlag zu früh nicht falle

Der Prinz von Homburg (zum Graf Hohenzollern, heimlich, in
großer Bewegung).
O Heinrich!

Hohenzollern (unwillig). Nun! Was gibts? Was hast du vor?

Der Prinz von Homburg.
Was! Sahst du nichts?

Hohenzollern. Nein, nichts! Sei still, zum Henker!

Feldmarschall (fährt fort).
Ihm einen Offizier, aus seiner Suite, senden,
Der den Befehl, das merkt, ausdrücklich noch
Zum Angriff auf den Feind ihm überbringe.
Eh wird er nicht Fanfare blasen lassen.

(Der Prinz steht und träumt vor sich nieder.)

--Habt Ihr?

Rittmeister von der Golz (schreibt).
Eh wird er nicht Fanfare blasen lassen.

Feldmarschall (mit erhöhter Stimme.).
Des Prinzen Durchlaucht, habt Ihr?

Der Prinz von Homburg. Mein Feldmarschall?

Feldmarschall.
Ob Ihr geschrieben habt?

Der Prinz von Homburg.--Von der Fanfare?

Hohenzollern (heimlich, unwillig, nachdrücklich). Fanfare! Sei verwünscht! Nicht eh, als bis der--

Rittmeister von der Golz (ebenso).
Als bis er selbst--

Der Prinz von Homburg (unterbricht sie).
Ja, allerdings! Eh nicht--
Doch dann wird er Fanfare blasen lassen.

(Er schreibt.--Pause.)

Feldmarschall.
Den Obrist Kottwitz, merkt das, Baron Golz,
Wünsch ich, wenn er es möglich machen kann,
Noch vor Beginn des Treffens selbst zu sprechen.

Rittmeister von der Golz (mit Bedeutung).
Bestellen werd ich es. Verlaß dich drauf.

(Pause.)

Der Kurfürst (kommt zurück).
Nun, meine General' und Obersten,
Der Morgenstrahl ergraut!--Habt ihr geschrieben?

Feldmarschall.
Es ist vollbracht, mein Fürst; dein Kriegsplan ist
An deine Feldherrn pünktlich ausgeteilt!

Der Kurfürst (indem er Hut und Handschuh nimmt). Herr Prinz von Homburg, dir empfehl ich Ruhe! Du hast am Ufer, weißt du, mir des Rheins Zwei Siege jüngst verscherzt; regier dich wohl, Und laß mich heut den dritten nicht entbehren, Der mindres nicht, als Thron und Reich, mir gilt!

(Zu den Offizieren.)

Folgt mir!--He, Franz!

Ein Reitknecht (tritt auf). Hier!

Der Kurfürst. Rasch! Den Schimmel vor! --Noch vor der Sonn im Schlachtfeld will ich sein!

(Ab; die Generale, Obersten und Offiziere folgen ihm.)

Sechster Auftritt

Der Prinz von Homburg (in den Vordergrund tretend). Nun denn, auf deiner Kugel, Ungeheures, Du, der der Windeshauch den Schleier heut, Gleich einem Segel lüftet, roll heran! Du hast mir, Glück, die Locken schon gestreift: Ein Pfand schon warfst du, im Vorüberschweben, Aus deinem Füllhorn lächelnd mir herab: Heut, Kind der Götter, such ich, flüchtiges, Ich hasche dich im Feld der Schlacht und stürze Ganz deinen Segen mir zu Füßen um: Wärst du auch siebenfach, mit Eisenketten, Am schwedschen Siegeswagen festgebunden! (Ab.)

Zweiter Akt

Szene: Schlachtfeld bei Fehrbellin.

Erster Auftritt

Obrist Kottwitz, Graf Hohenzollern, Rittmeister von der Golz, und andere Offiziere, an der Spitze der Reuterei, treten auf.

Obrist Kottwitz (außerhalb der Szene).
Halt hier die Reuterei, und abgesessen!

Hohenzollern und Golz (treten auf).
Halt!--Halt!

Obrist Kottwitz. Wer hilft vom Pferde mir, ihr Freunde?

Hohenzollern und Golz. Hier, Alter, hier! (Sie treten wieder zurück..)

Obrist Kottwitz (außerhalb). Habt Dank!--Ouf! Daß die Pest mich! --Ein edler Sohn, für euren Dienst, jedwedem, Der euch, wenn ihr zerfallt, ein Gleiches tut!

(Er tritt auf; Hohenzollern, Golz und andere, hinter ihm.)

Ja, auf dem Roß fühl ich voll Tugend mich; Doch sitz ich ab, da hebt ein Strauß sich an, Als ob sich Leib und Seele kämpfend trennten!

(Er sieht sich um.)

Wo ist des Prinzen, unsers Führers, Durchlaucht?

Hohenzollern.
Der Prinz kehrt gleich zu dir zurück!

Obrist Kottwitz. Wo ist er?

Hohenzollern. Er ritt ins Dorf, das dir, versteckt in Büschen, Zur Seite blieb. Er wird gleich wiederkommen.

Ein Offizier. Zur Nachtzeit, hör ich, fiel er mit dem Pferd?

Hohenzollern.
Ich glaube, ja.

Obrist Kottwitz. Er fiel?

Hohenzollern (wendet sich). Nichts von Bedeutung!
Sein Rappe scheute an der Mühle sich,
Jedoch, leichthin zur Seite niedergleitend,
Tat er auch nicht den mindsten Schaden sich.
Es ist den Odem keiner Sorge wert.

Obrist Kottwitz (auf einen Hügel tretend).
Ein schöner Tag, so wahr ich Leben atme!
Ein Tag von Gott, dem hohen Herrn der Welt,
Gemacht zu süßerm Ding als sich zu schlagen!
Die Sonne schimmert rötlich durch die Wolken,
Und die Gefühle flattern, mit der Lerche,
Zum heitern Duft des Himmels jubelnd auf!--

Golz.
Hast du den Marschall Dörfling aufgefunden?

Obrist Kottwitz (kommt vorwärts).
Zum Henker, nein! Was denkt die Exzellenz?
Bin ich ein Pfeil, ein Vogel, ein Gedanke,
Daß er mich durch das ganze Schlachtfeld sprengt?
Ich war beim Vortrab, auf den Hackelhöhn,
Und in dem Hackelgrund, beim Hintertrab:
Doch wen ich nicht gefunden, war der Marschall!
Drauf meine Reuter sucht ich wieder auf.

Golz.
Das wird sehr leid ihm tun. Es schien, er hatte
Dir von Belang noch etwas zu vertraun.

Der Offizier. Da kommt des Prinzen, unsers Führers, Durchlaucht!

Zweiter Auftritt

Der Prinz von Homburg, mit einem schwarzen Band um die linke Hand. Die Vorigen.

Obrist Kottwitz.
Sei mir gegrüßt, mein junger edler Prinz!
Schau her, wie, während du im Dörfchen warst,
Die Reuter ich im Talweg aufgestellt:
Ich denk du wirst mit mir zufrieden sein!

Der Prinz von Homburg.
Guten Morgen, Kottwitz!--Guten Morgen, Freunde!
--Du weißt, ich lobe alles, was du tust.

Hohenzollern.
Was machtest, Arthur, in dem Dörfchen du?
--Du scheinst so ernst!

Der Prinz von Homburg. Ich--war in der Kapelle, Die aus des Dörfchens stillen Büschen blinkte. Man läutete, da wir vorüberzogen, Zur Andacht eben ein, da trieb michs an, Am Altar auch mich betend hinzuwerfen.

Obrist Kottwitz.
Ein frommer junger Herr, das muß ich sagen!
Das Werk, glaubt mir, das mit Gebet beginnt,
Das wird mit Heil und Ruhm und Sieg sich krönen!

Der Prinz von Homburg.
Was ich dir sagen wollte, Heinrich--

(Er führt den Grafen ein wenig vor.)

Was wars schon, was der Dörfling, mich betreffend, Bei der Parol' hat gestern vorgebracht?

Hohenzollern. --Du warst zerstreut. Ich hab es wohl gesehn.

Der Prinz von Homburg.
Zerstreut--geteilt; ich weiß nicht, was mir fehlte,
Diktieren in die Feder macht mich irr.--

Hohenzollern.
--Zum Glück nicht diesmal eben viel für dich.
Der Truchß und Hennings, die das Fußvolk führen,
Die sind zum Angriff auf den Feind bestimmt,
Und dir ist aufgegeben, hier zu halten
Im Tal, schlagfertig mit der Reuterei,
Bis man zum Angriff den Befehl dir schickt.

Der Prinz von Homburg (nach einer Pause, in der er vor
sich niedergeträumt).
--Ein wunderlicher Vorfall!

Hohenzollern. Welcher, Lieber?

(Er sieht ihn an.--Ein Kanonenschuß fällt.)

Obrist Kottwitz. Holla, ihr Herrn, holla! Sitzt auf! sitzt auf! Das ist der Hennings und die Schlacht beginnt!

(Sie besteigen sämtlich einen Hügel.)

Der Prinz von Homburg.
Wer ist es? Was?

Hohenzollern. Der Obrist Hennings, Arthur,
Der sich in Wrangels Rücken hat geschlichen!
Komm nur, dort kannst du alles überschaun.

Golz (auf dem Hügel). Seht, wie er furchtbar sich am Rhyn entfaltet!

Der Prinz von Homburg (hält sich die Hand vors Auge). --Der Hennings dort auf unserm rechten Flügel?

Erster Offizier.
Ja, mein erlauchter Prinz.

Der Prinz von Homburg. Was auch, zum Henker! Der stand ja gestern auf des Heeres Linken.

(Kanonenschüsse in der Ferne.)

Obrist Kottwitz. Blitzelement! Seht, aus zwölf Feuerschlünden Wirkt jetzt der Wrangel auf den Hennings los!

Erster Offizier.
Das nenn ich Schanzen das, die schwedischen!

Zweiter Offizier.
Bei Gott, getürmt bis an die Kirchsturmspitze,
Des Dorfs, das hinter ihrem Rücken liege!

(Schüsse in der Nähe.)

Golz.
Das ist der Truchß!

Der Prinz von Homburg. Der Truchß?

Obrist Kottwitz. Der Truchß, er, ja;
Der Hennings jetzt von vorn zu Hülfe kommt.

Der Prinz von Homburg.
Wie kommt der Truchß heut in die Mitte?

(Heftige Kanonade.)

Golz. O Himmel, schaut, mich dünkt das Dorf fing Feuer!

Dritter Offizier.
Es brennt, so wahr ich leb!

Erster Offizier. Es brennt! Es brennt!
Die Flamme zuckt schon an dem Turm empor!

Golz. Hui! Wie die Schwedenboten fliegen rechts und links!

Zweiter Offizier.
Sie brechen auf!

Obrist Kottwitz. Wo?

Erster Offizier. Auf dem rechten Flügel!--

Dritter Offizier.
Freilich! In Zügen! Mit drei Regimentern!
Es scheint, den linken wollen sie verstärken.

Zweiter Offizier.
Bei meiner Treu! Und Reuterei rückt vor,
Den Marsch des rechten Flügels zu bedecken!

Hohenzollern (lacht).
Ha! Wie das Feld die wieder räumen wird,
Wenn sie versteckt uns hier im Tal erblickt!

(Musketenfeuer.)

Kottwitz.
Schaut! Brüder, schaut!

Zweiter Offizier. Horcht!

Erster Offizier. Feuer der Musketen!

Dritter Offizier. Jetzt sind sie bei den Schanzen aneinander!--

Golz.
Bei Gott! Solch einen Donner des Geschützes
Hab ich zeit meines Lebens nicht gehört!

Hohenzollern.
Schießt! Schießt! Und macht den Schoß der Erde bersten!
Der Riß soll eurer Leichen Grabmal sein.

(Pause.--Ein Siegsgeschrei in der Ferne.)

Erster Offizier.
Herr, du, dort oben, der den Sieg verleiht:
Der Wrangel kehrt den Rücken schon!

Hohenzollern. Nein, sprich!

Golz. Beim Himmel, Freunde! Auf dem linken Flügel! Er räumt mit seinem Feldgeschütz die Schanzen.

Alle. Triumph! Triumph! Triumph! Der Sieg ist unser!

Der Prinz von Homburg (steigt vom Hügel herab). Auf, Kottwitz, folg mir!

Obrist Kottwitz. Ruhig, ruhig, Kinder!

Der Prinz von Homburg.
Auf! Laß Fanfare blasen! Folge mir!

Obrist Kottwitz.
Ich sage, ruhig.

Der Prinz von Homburg (wild).
Himmel, Erd und Hölle!

Obrist Kottwitz.
Des Herrn Durchlaucht, bei der Parole gestern,
Befahl, daß wir auf Order warten sollen.
Golz, lies dem Herren die Parole vor.

Der Prinz von Homburg.
Auf Ord'r! Ei, Kottwitz! Reitest du so langsam?
Hast du sie noch vom Herzen nicht empfangen?

Obrist Kottwitz.
Order?

Hohenzollern.
Ich bitte dich!

Obrist Kottwitz. Von meinem Herzen?

Hohenzollern.
Laß dir bedeuten, Arthur!

Golz. Hör' mein Obrist!

Obrist Kottwitz (beleidigt). Oho! Kömmst du mir so, mein junger Herr?-- Den Gaul, den du dahersprengst, schlepp ich noch Im Notfall an dem Schwanz des meinen fort! Marsch, marsch, ihr Herrn! Trompeter, die Fanfare! Zum Kampf! Zum Kampf! Der Kottwitz ist dabei!

Golz (zu Kottwitz).
Nein nimmermehr, mein Obrist! Nimmermehr!

Zweiter Offizier. Der Hennings hat den Rhyn noch nicht erreicht!

Erster Offizier.
Nimm ihm den Degen ab!

Der Prinz von Homburg. Den Degen mir?
(Er stößt ihn zurück.)
Ei, du vorwitzger Knabe, der du noch
Nicht die Zehn märkischen Gebote kennst!
Hier ist der deinige, zusamt der Scheide!
(Er reißt ihm das Schwert samt dem Gürtel ab.)

Erster Offizier (taumelnd).
Mein Prinz, die Tat, bei Gott--!

Der Prinz von Homburg (auf ihn einschreitend). Den Mund noch öffnest--?

Hohenzollern (zu dem Offizier).
Schweig! Bist du rasend?

Der Prinz von Homburg (indem er den Degen abgibt).
Ordonnanzen!--
Führt ihn gefangen ab, ins Hauptquartier.

(Zu Kottwitz und den übrigen Offizieren.)

Und jetzt ist die Parol', ihr Herrn: ein Schurke,
Wer seinem General zur Schlacht nicht folgt!
--Wer von euch bleibt?

Obrist Kottwitz. Du hörst. Was eiferst du?

Hohenzollern (beilegend).
Es war ein Rat nur, den man dir erteilt.

Obrist Kottwitz.
Auf deine Kappe nimms. Ich folge dir.

Der Prinz von Homburg (beruhigt). Ich nehms auf meine Kappe. Folgt mir, Brüder!

(Alle ab.)

Szene: Zimmer in einem Dorf.

Dritter Auftritt

Ein Hofkavalier, in Stiefeln und Sporen, tritt auf.--Ein Bauer und seine Frau sitzen an einem Tisch und arbeiten.

Hofkavalier.
Glück auf, ihr wackern Leute! Habt ihr Platz,
In eurem Hause Gäste aufzunehmen?

Der Bauer.
O ja! Von Herzen.

Die Frau. Darf man wissen, wen?

Hofkavalier.
Die hohe Landesmutter! Keinen Schlechtern!
Am Dorftor brach die Achse ihres Wagens,
Und weil wir hören, daß der Sieg erfochten,
So braucht es weiter diese Reise nicht.

Beide (stehen auf).
Der Sieg erfochten?--Himmel!

Hofkavalier. Das wißt ihr nicht? Das Heer der Schweden ist aufs Haupt geschlagen, Wenn nicht für immer, doch auf Jahresfrist, Die Mark vor ihrem Schwert und Feuer sicher! --Doch seht! da kömmt die Landesfürstin schon.

Vierter Auftritt

Die Kurfürstin, bleich und verstört. Prinzessin Natalie und mehrere Hofdamen folgen.--Die Vorigen.

Kurfürstin (unter der Tür). Bork! Winterfeld! Kommt: gebt mir euren Arm!

Natalie (zu ihr eilend).
O meine Mutter!

Die Hofdamen. Gott! Sie bleicht! Sie fällt!

(Sie unterstützen sie.)

Kurfürstin.

Führt mich auf einen Stuhl, ich will mich setzen. --Tot, sagt er; tot?

Natalie. O meine teure Mutter!

Kurfürstin.
Ich will den Unglücksboten selber sprechen.

Fünfter Auftritt

Rittmeister von Mörner tritt verwundet auf, von zwei Reutern geführt.--Die Vorigen.

Kurfürstin.
Was bringst du, Herold des Entsetzens, mir?

Mörner.
Was diese Augen, leider, teure Frau,
Zu meinem ewgen Jammer, selbst gesehn.

Kurfürstin.
Wohlan! Erzähl!

Mörner. Der Kurfürst ist nicht mehr!

Natalie. O Himmel!
Soll ein so ungeheurer Schlag uns treffen?

(Sie bedeckt sich das Gesicht.)

Kurfürstin.
Erstatte mir Bericht, wie er gesunken!
--Und wie der Blitzstrahl, der den Wandrer trifft,
Die Welt noch einmal purpurn ihm erleuchtet,
So laß dein Wort sein; Nacht, wenn du gesprochen,
Mög über meinem Haupt zusammenschlagen.

Mörner (tritt, geführt von den beiden Reutern, vor ihr).
Der Prinz von Homburg war, sobald der Feind,
Gedrängt von Truchß, in seiner Stellung wankte,
Auf Wrangel in die Ebne vorgerückt;
Zwei Linien hatt er, mit der Reuterei,
Durchbrochen schon, und auf der Flucht vernichtet,
Als er auf eine Feldredoute stieß.
Hier schlug so mörderischer Eisenregen
Entgegen ihm, daß seine Reuterschar,
Wie eine Saat, sich knickend niederlegte:
Halt mußt er machen zwischen Busch und Hügeln,
Um sein zerstreutes Reuterkorps zu sammeln.

Natalie (zur Kurfürstin).
Geliebte! Fasse dich!

Kurfürstin. Laß, laß mich, Liebe!

Mörner.
In diesem Augenblick, dem Staub entrückt,
Bemerken wir den Herrn, der, bei den Fahnen
Des Truchßschen Korps, dem Feind entgegenreitet;
Auf einem Schimmel herrlich saß er da,
Im Sonnenstrahl, die Bahn des Siegs erleuchtend.
Wir alle sammeln uns, bei diesem Anblick,
Auf eines Hügels Abhang, schwer besorgt,
Inmitten ihn des Feuers zu erblicken:
Als plötzlich jetzt der Kurfürst, Roß und Reuter,
In Staub vor unsern Augen niedersinkt;
Zwei Fahnenträger fielen über ihn,
Und deckten ihn mit ihren Fahnen zu.

Natalie.
O meine Mutter!

Erste Hofdame. Himmel!

Kurfürstin. Weiter! Weiter!

Mörner.
Drauf faßt, bei diesem schreckenvollen Anblick,
Schmerz, unermeßlicher, des Prinzen Herz;
Dem Bären gleich, von Wut gespornt und Rache,
Bricht er mit uns auf die Verschanzung los:
Der Graben wird, der Erdwall, der sie deckt,
Im Anlauf überflogen, die Besatzung
Geworfen, auf das Feld zerstreut, vernichtet,
Kanonen, Fahnen, Pauken und Standarten,
Der Schweden ganzes Kriegsgepäck, erbeutet:
Und hätte nicht der Brückenkopf am Rhyn
Im Würgen uns gehemmt, so wäre keiner,
Der an dem Herd der Väter, sagen könnte:
Bei Fehrbellin sah ich den Helden fallen!

Kurfürstin.
Ein Sieg, zu teu'r erkauft! Ich mag ihn nicht.
Gebt mir den Preis, den er gekostet, wieder.

(Sie sinkt in Ohnmacht.)

Erste Hofdame.
Hilf, Gott im Himmel! Ihre Sinne schwinden.

(Natalie weint.)

Sechster Auftritt

Der Prinz von Homburg tritt auf.--Die Vorigen.

Der Prinz von Homburg.
O meine teuerste Natalie!

(Er legt ihre Hand gerührt an sein Herz.)

Natalie.
So ist es wahr?

Der Prinz von Homburg.
O! könnt ich sagen: nein!
Könnt ich mit Blut, aus diesem treuen Herzen,
Das seinige zurück ins Dasein rufen!

Natalie (trocknet sich die Tränen).
Hat man denn schon die Leiche aufgefunden?

Der Prinz von Homburg.
Ach, mein Geschäft, bis diesen Augenblick,
War Rache nur an Wrangel; wie vermocht ich,
Solch einer Sorge mich bis jetzt zu weihn?
Doch eine Schar von Männern sandt ich aus,
Ihn, im Gefild des Todes, aufzusuchen:
Vor Nacht noch zweifelsohne trifft er ein.

Natalie.
Wer wird, in diesem schauderhaften Kampf,
Jetzt diese Schweden niederhalten? Wer
Vor dieser Welt von Feinden uns beschirmen,
Die uns sein Glück, die uns sein Ruhm erworben?

Der Prinz von Homburg (nimmt ihre Hand).
Ich, Fräulein, übernehme eure Sache!
Ein Engel will ich, mit dem Flammenschwert,
An eures Throns verwaiste Stufen stehn!
Der Kurfürst wollte, eh das Jahr noch wechselt,
Befreit die Marken sehn; wohlan! ich will der
Vollstrecker solchen letzten Willens sein!

Natalie.
Mein lieber, teurer Vetter!

(Sie zieht ihre Hand zurück.)

Der Prinz von Homburg. O Natalie!
(Er hält einen Augenblick inne.)
Wie denkt Ihr über Eure Zukunft jetzt?

Natalie.
Ja, was soll ich, nach diesem Wetterschlag,
Der unter mir den Grund zerreißt, beginnen?
Mir ruht der Vater, mir die teure Mutter,
Im Grab zu Amsterdam; in Schutt und Asche
Liegt Dortrecht, meines Hauses Erbe, da;
Gedrängt von Spaniens Tyrannenheeren,
Weiß Moritz kaum, mein Vetter von Oranien,
Wo er die eignen Kinder retten soll:
Und jetzt sinkt mir die letzte Stütze nieder,
Die meines Glückes Rebe aufrecht hielt.
Ich ward zum zweitenmale heut verwaist.

Der Prinz von Homburg (schlägt einen Arm um ihren Leib). O meine Freundin! Wäre diese Stunde Der Trauer nicht geweiht, so wollt ich sagen: Schlingt Eure Zweige hier um diese Brust, Um sie, die schon seit Jahren, einsam blühend, Nach eurer Glocken holden Duft sich sehnt!

Natalie.
Mein lieber, guter Vetter!

Der Prinz von Homburg.--Wollt Ihr? Wollt Ihr?

Natalie.
--Wenn ich ins innre Mark ihr wachsen darf?

(Sie legt sich an seine Brust.)

Der Prinz von Homburg.
Wie? Was war das?

Natalie. Hinweg!

Der Prinz von Homburg (hält sie). In ihren Kern! In ihres Herzens Kern, Natalie!

(Er küßt sie; sie reißt sich los.)

O Gott, wär er jetzt da, den wir beweinen,
Um diesen Bund zu schauen! Könnten wir
Zu ihm aufstammeln: Vater, segne uns!

(Er bedeckt sein Gesicht mit seinen Händen; Natalie wendet sich wieder zur Kurfürstin zurück.)

Siebenter Auftritt

Ein Wachtmeister tritt eilig auf.--Die Vorigen.

Wachtmeister. Mein Prinz, kaum wag ich, beim lebendgen Gott, Welch ein Gerücht sich ausstreut, Euch zu melden! --Der Kurfürst lebt!

Der Prinz von Homburg. Er lebt!

Wachtmeister. Beim hohen Himmel!
Graf Sparren bringt die Nachricht eben her.

Natalie.
Herr meines Lebens! Mutter; hörtest dus?

(Sie stürzt vor der Kurfürstin nieder und umfaßt ihren Leib.)

Der Prinz von Homburg.
Nein, sag--! Wer bringt mir--?

Wachtmeister. Graf Georg von Sparren,
Der ihn in Hackelwitz beim Truchßschen Korps,
Mit eignem Aug, gesund und wohl, gesehn!

Der Prinz von Homburg. Geschwind! Lauf, Alter! Bring ihn mir herein!

(Wachtmeister ab.)

Achter Auftritt

Graf Georg von Sparren und der Wachtmeister treten auf. Die Vorigen.

Kurfürstin. O stürzt mich zweimal nicht zum Abgrund nieder!

Natalie.
Nein, meine teure Mutter!

Kurfürstin. Friedrich lebt?

Natalie (hält sie mit beiden Händen aufrecht). Des Daseins Gipfel nimmt Euch wieder auf!

Wachtmeister (auftretend).
Hier ist der Offizier!

Der Prinz von Homburg. Herr Graf von Sparren! Des Herrn Durchlaucht habt Ihr frisch und wohlauf, Beim Truchßschen Korps, in Hackelwitz, gesehn?

Graf Sparren.
Ja, mein erlauchter Prinz, im Hof des Pfarrers,
Wo er Befehle gab, vom Stab umringt,
Die Toten beider Heere zu begraben!

Die Hofdamen.
O Gott! An deine Brust--(Sie umarmen sich.)

Kurfürstin. O meine Tochter!

Natalie.
Nein, diese Seligkeit ist fast zu groß!

(Sie drückt ihr Gesicht in der Tante Schoß.)

Der Prinz von Homburg.
Sah ich von fern, an meiner Reuter Spitze,
Ihn nicht, zerschmettert von Kanonenkugeln,
In Staub, samt seinem Schimmel, niederstürzen?

Graf Sparren. Der Schimmel, allerdings, stürzt', samt dem Reuter, Doch wer ihn ritt, mein Prinz, war nicht der Herr.

Der Prinz von Homburg.
Nicht? Nicht der Herr?

Natalie. O Jubel!

(Sie steht auf und stellt sich an die Seite der Kurfürstin.)

Der Prinz von Homburg. Sprich! Erzähle! Dein Wort fällt schwer wie Gold in meine Brust!

Graf Sparren.
O laßt die rührendste Begebenheit,
Die je ein Ohr vernommen, Euch berichten!
Der Landesherr, der, jeder Warnung taub,
Den Schimmel wieder ritt, den strahlendweißen,
Den Froben jüngst in England ihm erstand,
War wieder, wie bis heut noch stets geschah,
Das Ziel der feindlichen Kanonenkugeln.
Kaum konnte, wer zu seinem Troß gehörte,
Auf einen Kreis von hundert Schritt ihm nahn;
Granaten wälzten, Kugeln und Kartätschen,
Sich wie ein breiter Todesstrom daher,
Und alles, was da lebte, wich ans Ufer:
Nur er, der kühne Schwimmer, wankte nicht,
Und, stets den Freunden winkend, rudert' er
Getrost den Höhn zu, wo die Quelle sprang.

Der Prinz von Homburg.
Beim Himmel, ja! Ein Grausen wars, zu sehn.

Graf Sparren. Stallmeister Froben, der, beim Troß der Suite, Zunächst ihm folgt, ruft dieses Wort mir zu: "Verwünscht sei heut mir dieses Schimmels Glanz, Mit schwerem Gold in London jüngst erkauft! Wollt ich doch funfzig Stück Dukaten geben, Könnt ich ihn mit dem Grau der Mäuse decken." Er naht, voll heißer Sorge, ihm und spricht: "Hoheit, dein Pferd ist scheu, du mußt verstatten, Daß ichs noch einmal in die Schule nehme!" Mit diesem Wort entsitzt er seinem Fuchs, Und fällt dem Tier des Herren in den Zaum. Der Herr steigt ab, still lächelnd, und versetzt: "Die Kunst, die du ihn, Alter, lehren willst, Wird er, solang es Tag ist, schwerlich lernen. Nimm, bitt ich, fern ihn, hinter jenen Hügeln, Wo seines Fehls der Feind nicht achtet, vor." Dem Fuchs drauf sitzt er auf, den Froben reitet, Und kehrt zurück, wohin sein Amt ihn ruft. Doch Froben hat den Schimmel kaum bestiegen, So reißt, entsendet aus der Feldredoute, Ihn schon ein Mordblei, Roß und Reuter, nieder. In Staub sinkt er, ein Opfer seiner Treue, Und keinen Laut vernahm man mehr von ihm.

(Kurze Pause.)

Der Prinz von Homburg.
Er ist bezahlt!--Wenn ich zehn Leben hätte,
Könnt ich sie besser brauchen nicht, als so!

Natalie.
Der wackre Froben!

Kurfürstin. Der Vortreffliche!

Natalie.
Ein Schlechtrer wäre noch der Tränen wert!

(Sie weinen.)

Der Prinz von Homburg.
Genug! Zur Sache jetzt. Wo ist der Kurfürst?
Nahm er in Hackelwitz sein Hauptquartier?

Graf Sparren.
Vergib! der Herr ist nach Berlin gegangen,
Und die gesamte Generalität
Ist aufgefordert, ihm dahin zu folgen.

Der Prinz von Homburg. Wie? Nach Berlin?--Ist denn der Feldzug aus?

Graf Sparren.
Fürwahr, ich staune, daß dir alles fremd!
Graf Horn, der schwedsche General, traf ein;
Es ist im Lager, gleich nach seiner Ankunft,
Ein Waffenstillstand ausgerufen worden.
Wenn ich den Marschall Dörfling recht verstanden,
Ward eine Unterhandlung angeknüpft:
Leicht, daß der Frieden selbst erfolgen kann.

Kurfürstin.
O Gott, wie herrlich klärt sich alles auf!

(Sie steht auf.)

Der Prinz von Homburg.
Kommt, laßt sogleich uns nach Berlin ihm folgen!
--Räumst du, zu rascherer Beförderung, wohl
Mir einen Platz in deinem Wagen ein?
--Zwei Zeilen nur an Kottwitz schreib ich noch,
Und steige augenblicklich mit dir ein.

(Er setzt sich nieder und schreibt.)

Kurfürstin.
Von ganzem Herzen gern!

Der Prinz von Homburg (legt den Brief zusammen und übergibt ihn dem Wachtmeister; indem er sich wieder zur Kurfürstin wendet, und den Arm sanft um Nataliens Leib legt). Ich habe so Dir einen Wunsch noch schüchtern zu vertraun, Des ich mich auf der Reis entlasten will.

Natalie (macht sich von ihm los).
Bork! Rasch! Mein Halstuch, bitt ich!

Kurfürstin. Du? Einen Wunsch mir?

Erste Hofdame.
Ihr tragt das Tuch, Prinzessin, um den Hals!

Der Prinz von Homburg (zur Kurfürstin).
Was? Rätst du nichts?

Kurfürstin. Nein, nichts!

Der Prinz von Homburg. Was? Keine Silbe?

Kurfürstin (abbrechend).
Gleichviel!--Heut keinem Flehenden auf Erden
Antwort ich: nein! was es auch immer sei;
Und dir, du Sieger in der Schlacht, zuletzt!
--Hinweg!

Der Prinz von Homburg.
O Mutter! Welch ein Wort sprachst du?
Darf ichs mir deuten, wie es mir gefällt?

Kurfürstin.
Hinweg, sag ich! Im Wagen mehr davon!

Der Prinz von Homburg.
Kommt, gebt mir Euren Arm!--O Cäsar Divus!
Die Leiter setz ich an, an deinen Stern!

(Er führt die Damen ab; alle folgen.)

Szene: Berlin. Lustgarten vor dem alten Schloß. Im Hintergrunde die Schloßkirche, mit einer Treppe. Glockenklang; die Kirche ist stark erleuchtet; man sieht die Leiche Frobens vorübertragen, und auf einen prächtigen Katafalk niedersetzen.

Neunter Auftritt

Der Kurfürst, Feldmarschall Dörfling, Obrist Hennings, Graf Truchß, und mehrere andere Obristen und Offiziere treten auf. Ihm gegenüber zeigen sich einige Offiziere mit Depeschen.-- In der Kirche sowohl als auf dem Platz Volk jeden Alters und Geschlechts.

Der Kurfürst.
Wer immer auch die Reuterei geführt,
Am Tag der Schlacht, und, eh der Obrist Hennings
Des Feindes Brücken hat zerstören können,
Damit ist aufgebrochen, eigenmächtig,
Zur Flucht, bevor ich Order gab, ihn zwingend,
Der ist des Todes schuldig, das erklär ich,
Und vor ein Kriegsgericht bestell ich ihn.
--Der Prinz von Homburg hat sie nicht geführt?

Graf Truchß.
Nein, mein erlauchter Herr!

Der Kurfürst. Wer sagt mir das?

Graf Truchß. Das können Reuter dir bekräftigen, Die mirs versichert, vor Beginn der Schlacht. Der Prinz hat mit dem Pferd sich überschlagen, Man hat verwundet schwer, an Haupt und Schenkeln, In einer Kirche ihn verbinden sehn.

Der Kurfürst.
Gleichviel. Der Sieg ist glänzend dieses Tages,
Und vor dem Altar morgen dank ich Gott.
Doch wär er zehnmal größer, das entschuldigt
Den nicht, durch den der Zufall mir ihn schenkt:
Mehr Schlachten noch, als die, hab ich zu kämpfen,
Und will, daß dem Gesetz Gehorsam sei.
Wers immer war, der sie zur Schlacht geführt,
Ich wiederhols, hat seinen Kopf verwirkt,
Und vor ein Kriegsrecht hiemit lad ich ihn.
--Folgt, meine Freunde, in die Kirche mir!

Zehnter Auftritt

Der Prinz von Homburg, drei schwedische Fahnen in der Hand, Obrist Kottwitz, mit deren zwei, Graf Hohenzollern, Rittmeister Golz, Graf Reuß, jeder mit einer Fahne, mehrere andere Offiziere, Korporale und Reuter, mit Fahnen, Pauken und Standarten, treten auf.

Feldmarschall Dörfling (so wie er den Prinzen erblickt). Der Prinz von Homburg!--Truchß! Was machtet Ihr?

Der Kurfürst (stutzt).
Wo kommt Ihr her, Prinz?

Der Prinz von Homburg (einige Schritte vorschreitend).
Von Fehrbellin, mein Kurfürst,
Und bringe diese Siegstrophäen dir.

(Er legt die drei Fahnen vor ihm nieder; die Offiziere, Korporale und Reuter folgen, jeder mit der ihrigen.)

Der Kurfürst (betroffen).
Du bist verwundet, hör ich, und gefährlich?
--Graf Truchß!

Der Prinz von Homburg (heiter).
Vergib!

Graf Truchß. Beim Himmel, ich erstaune!

Der Prinz von Homburg.
Mein Goldfuchs fiel, vor Anbeginn der Schlacht;
Die Hand hier, die ein Feldarzt mir verband,
Verdient nicht, daß du sie verwundet taufst.

Der Kurfürst.
Mithin hast du die Reuterei geführt?

Der Prinz von Homburg (sieht ihn an).
Ich? Allerdings! Mußt du von mir dies hören?
--Hier legt ich den Beweis zu Füßen dir.

Der Kurfürst.
--Nehmt ihm den Degen ab. Er ist gefangen.

Feldmarschall (erschrocken).
Wem?

Der Kurfürst (tritt unter die Fahnen).
Kottwitz! Sei gegrüßt mir!

Graf Truchß (für sich). O verflucht!

Obrist Kottwitz.
Bei Gott, ich bin aufs äußerste--!

Der Kurfürst (er sieht ihn an). Was sagst du? Schau, welche Saat für unsern Ruhm gemäht! --Die Fahn ist von der schwedischen Leibwacht! Nicht? (Er nimmt eine Fahne auf, entwickelt und betrachtet sie.)

Obrist Kottwitz.
Mein Kurfürst?

Feldmarschall. Mein Gebieter?

Der Kurfürst. Allerdings!
Und zwar aus König Gustav Adolfs Zeiten!
--Wie heißt die Inschrift?

Obrist Kottwitz. Ich glaube--

Feldmarschall.--Per aspera ad astra.

Der Kurfürst.
Das hat sie nicht bei Fehrbellin gehalten.

(Pause.)

Obrist Kottwitz (schüchtern).
Mein Fürst, vergönn ein Wort mir--!

Der Kurfürst. Was beliebt?--
Nehmt alles, Fahnen, Pauken und Standarten,
Und hängt sie an der Kirche Pfeiler auf;
Beim Siegsfest morgen denk ich sie zu brauchen!

(Der Kurfürst wendet sich zu den Kurieren, nimmt ihnen die Depeschen ab, erbricht, und liest sie.)

Obrist Kottwitz (für sich).
Das, beim lebendigen Gott, ist mir zu stark!

(Der Obrist nimmt, nach einigem Zaudern, seine zwei Fahnen auf; die übrigen Offiziere und Reuter folgen; zuletzt, da die drei Fahnen des Prinzen liegen bleiben, hebt Kottwitz auch diese auf, so daß er nun fünf trägt.)

Ein Offizier (tritt vor den Prinzen).
Prinz, Euren Degen, bitt ich.

Hohenzollern (mit seiner Fahne, ihm zur Seite tretend). Ruhig, Freund!

Der Prinz von Homburg. Träum ich? Wach ich? Leb ich? Bin ich bei Sinnen?

Golz. Prinz, gib den Degen, rat ich, hin, und schweig!

Der Prinz von Homburg.
Ich, ein Gefangener?

Hohenzollern. So ists!

Golz. Ihr hörts!

Der Prinz von Homburg.
Darf man die Ursach wissen?

Hohenzollern (mit Nachdruck). Jetzo nicht!
--Du hast zu zeitig, wie wir gleich gesagt,
Dich in die Schlacht gedrängt; die Order war,
Nicht von dem Platz zu weichen, ungerufen!

Der Prinz von Homburg.
Helft Freunde, helft! Ich bin verrückt.

Golz (unterbrechend). Still! Still!

Der Prinz von Homburg.
Sind denn die Märkischen geschlagen worden?

Hohenzollern (stampft mit dem Fuß auf die Erde). Gleichviel!--Der Satzung soll Gehorsam sein.

Der Prinz von Homburg (mit Bitterkeit).
So--so, so, so!

Hohenzollern (entfernt sich von ihm).
Es wird den Hals nicht kosten.

Golz (ebenso).
Vielleicht, daß du schon morgen wieder los.

(Der Kurfürst legt die Briefe zusammen, und kehrt sich wieder in den Kreis der Offiziere zurück.)

Der Prinz von Homburg (nachdem er sich den Degen abgeschnallt).
Mein Vetter Friedrich will den Brutus spielen,
Und sieht, mit Kreid auf Leinewand verzeichnet,
Sich schon auf dem kurulschen Stuhle sitzen:
Die schwedschen Fahnen in dem Vordergrund,
Und auf dem Tisch die märkschen Kriegsartikel.
Bei Gott, in mir nicht findet er den Sohn,
Der, unterm Beil des Henkers, ihn bewundre.
Ein deutsches Herz, von altem Schrot und Korn,
Bin ich gewohnt an Edelmut und Liebe,
Und wenn er mir, in diesem Augenblick,
Wie die Antike starr entgegenkommt,
Tut er mir leid, und ich muß ihn bedauren!

(Er gibt den Degen an den Offizier und geht ab.)

Der Kurfürst. Bringt ihn nach Fehrbellin, ins Hauptquartier, Und dort bestellt das Kriegsrecht, das ihn richte.

(Ab in die Kirche. Die Fahnen folgen ihm, und werden, während er mit seinem Gefolge an dem Sarge Frobens niederkniet und betet, an den Pfeilern derselben aufgehängt. Trauermusik.)

Dritter Akt

Szene: Fehrbellin. Ein Gefängnis.

Erster Auftritt

Der Prinz von Homburg.--Im Hintergrunde zwei Reuter, als Wache.--Der Graf von Hohenzollern tritt auf.

Der Prinz von Homburg.
Sieh da! Freund Heinrich! Sei willkommen mir!
--Nun, des Arrestes bin ich wieder los?

Hohenzollern (erstaunt).
Gott sei Lob, in der Höh!

Der Prinz von Homburg. Was sagst du?

Hohenzollern. Los?
Hat er den Degen dir zurück geschickt?

Der Prinz von Homburg.
Mir? Nein.

Hohenzollern.
Nicht?

Der Prinz von Homburg.
Nein!

Hohenzollern.--Woher denn also los?

Der Prinz von Homburg (nach einer Pause). Ich glaubte, du, du bringst es mir.--Gleichviel!

Hohenzollern.
--Ich weiß von nichts.

Der Prinz von Homburg. Gleichviel, du hörst; gleichviel! So schickt er einen andern, der mirs melde.

(Er wendet sich und holt Stühle.)

Setz dich!--Nun, sag mir an, was gibt es Neues? --Der Kurfürst kehrte von Berlin zurück?

Hohenzollern (zerstreut).
Ja. Gestern abend.

Der Prinz von Homburg.
Ward, beschloßnermaßen,
Das Siegsfest dort gefeiert?--Allerdings!
--Der Kurfürst war zugegen in der Kirche?

Hohenzollern.
Er und die Fürstin und Natalie.--
Die Kirche war, auf würdge Art, erleuchtet;
Battrieen ließen sich, vom Schloßplatz her,
Mit ernster Pracht bei dem Tedeum hören.
Die schwedschen Fahnen wehten und Standarten,
Trophäenartig, von den Pfeilern nieder,
Und auf des Herrn ausdrücklichem Befehl,
Ward deines, als des Siegers Namen--
Erwähnung von der Kanzel her getan.

Der Prinz von Homburg. Das hört ich!--Nun, was gibt es sonst; was bringst du? --Dein Antlitz, dünkt mich, sieht nicht heiter, Freund!

Hohenzollern.
--Sprachst du schon wen?

Der Prinz von Homburg. Golz, eben, auf dem Schlosse, Wo ich, du weißt es, im Verhöre war.

(Pause.)

Hohenzollern (sieht ihn bedenklich an).
Was denkst du, Arthur, denn von deiner Lage,
Seit sie so seltsam sich verändert hat?

Der Prinz von Homburg. Ich? Nun, was du und Golz--die Richter selbst! Der Kurfürst hat getan, was Pflicht erheischte, Und nun wird er dem Herzen auch gehorchen. Gefehlt hast du, so wird er ernst mir sagen, Vielleicht ein Wort von Tod und Festung sprechen: Ich aber schenke dir die Freiheit wieder-- Und um das Schwert, das ihm den Sieg errang, Schlingt sich vielleicht ein Schmuck der Gnade noch; --Wenn der nicht, gut; denn den verdient ich nicht!

Hohenzollern.
O Arthur! (Er hält inne.)

Der Prinz von Homburg.
Nun?

Hohenzollern.--Des bist du so gewiß?

Der Prinz von Homburg. Ich denks mir so! Ich bin ihm wert, das weiß ich, Wert wie ein Sohn; das hat seit früher Kindheit, Sein Herz in tausend Proben mir bewiesen. Was für ein Zweifel ists, der dich bewegt? Schien er am Wachstum meines jungen Ruhms Nicht mehr fast, als ich selbst, sich zu erfreun? Bin ich nicht alles, was ich bin, durch ihn? Und er, er sollte lieblos jetzt die Pflanze, Die er selbst zog, bloß, weil sie sich ein wenig Zu rasch und üppig in die Blume warf, Mißgünstig in den Staub daniedertreten? Das glaubt ich seinem schlimmsten Feinde nicht, Vielwen'ger dir, der du ihn kennst und liebst.

Hohenzollern (bedeutend).
Du standst dem Kriegsrecht, Arthur, im Verhör,
Und bist des Glaubens noch?